Just vor Allerheiligen, am 30./ 31.10.2010 hat die Kath.Pfarrei Pontresina ihre Angehörigen zu Begegnungstagen nach Poschiavo eingeladen, mit dem Ziel, Pfarreifamilie aufzubauen. 50 Personen nahmen teil, gut die Hälfte Portugiesen, die kleinste, Lara, 2 Monate , die älteste, Ida, 86 Jahre alt, Am Vormittag wurden alle von Rilana und Christian im Engelsgewand mit Kafi und Gipfeli empfangen und in die liebevoll eingerichteten Zimmer des wunderbar gastfreundlichen Klosters in Poschiavo geführt. Das Thema der Begegnungstage war, „enand en ängel sii, esser ün aungel ün per l`oter“.

Nach einem heiteren Impulstheater , wo das Vorbereitungsteam des Seelsorgerates die Bedenken über Verständigungsschwierigkeiten (Sprache , verschiedene Bedürfnisse der Generationen, Vorurteile über andere Anwesende ) vor einen Engel getragen haben, der dann die Lösung für diese Probleme offeriert hat, nämlich das Gegenüber neu durch ein offenes Herz anzuschauen und sich überraschen zu lassen, Positives zu entdecken und die Sprache der Liebe zu lernen, da ist schon das Eis geschmolzen. Anschliessend hat Pfarrer Dominik die Eigenschaften der Engel aus der Hl.Schrift zusammengetragen und vorgestellt. Engel sind Boten Gottes, verkünden frohe Botschaften, begleiten, schützen, trösten, tanzen, singen, fliegen.

So waren alle eingeladen, nach dem Mittagessen die Engelschule zu besuchen, um auf heitere Art in zusammengewürfelten Gruppen diese Eigenschaften zu lernen. Da sich die ganze Gemeinschaft engagiert auf diese Herausforderung einliess, ihre Herzen weit öffneten , einander halfen, die Kleinen in die Mitte nahmen, die Alten führten, achtsam waren, sich kugelten vor Lachen, 3- stimmig sangen, wurden sie als Engel lizenziert und konnten abends in den Himmel, dessen Tor wunderbar geschmückt war von fleissigen grossen und kleinen Händen. Dazwischen blieb Zeit für einen besinnlichen Moment. Wer wollte, konnte an der Vesper der Ordensschwestern teilnehmen, deren engelsgleicher Gesang die aufgeregten Pontresiner Engelsschüler wieder zur Ruhe führte.

Abends öffneten sich die Himmelstore weit und das Fest konnte beginnen. Es wurde eröffnet mit einer Slideshow des Tages, wo sich alle nochmals schmunzelnd bestaunen konnten beim Fliegen, führen, tanzen, üben… Anschliessend liessen sich gross und klein berühren von einem kurzen, sehr eindrücklichen Bericht über die vor 4 Wochen selig gesprochene Chiara Badano, Modell eines modernen Engels. Lebenslustig, sportlich, attraktiv ist sie mit 17 Jahren an Knochenkrebs erkrankt.“ Alles geht kaputt an mir“ , sagte sie , als sie realisierte, dass ihre Krankheit unheilbar ist, „aber ich habe noch mein Herz, mit dem ich lieben kann“. Sie war letztlich so erfüllt von Gottes Liebe, dass sie trotz grosser Schmerzen mit einer unglaublichen Heiterkeit und Freude alle ihre Besucher ansteckte, tröstete und mit neuem Lebensmut erfüllte. Ihre Botschaft war: „du hast nur ein Leben, also lebe es gut“ . Mit musikalischen Beiträgen von Duartes Familie, einem Musiktheater der Kleinen über die Regenengel, spontan kreierten Beiträgen der Primarschüler über die Fussballengel und zweier Väter über die Bruderliebe ging das Fest weiter. Das in der Engelschule gelernte Lied „ heaven is a wonderful place“ tönte mit allen zusammen wie Engel und himmlische Heerscharen, und als alle zum Hit „sing halleluja“ tanzten , die ganz Kleinen und die hipp hopper in der Kreismitte, da rockte es im Himmel so richtig ab. Mit Engelstorspiel, Lachen, Tanzen, Nachtgebet und Kuchenessen,( danke an die Portugiesenfrauen) ging das Fest zu Ende.

Wer noch Energie besass, besuchte das Taizegebet mit Fabian bei Kerzenlicht vor Mitternacht in der Kapelle. Am Sonntagvormittag konnten die müden Engel ausruhen oder ein Atelier wählen: Eine Gruppe von kleinen und grossen Jungs spielte ausgelassen in der Turnhalle Fussball. Unter Anleitung von Federica verzierte eine andere grosse Gruppe Kerzen mit Engelsmotiven, um dann zu Hause erinnert zu werden, einander weiter Engel zu sein. 4 Seniorinnen, 2 Kinder und 3 Väter übten gemeinsam mit Hingabe einen Meditativen Tanz für den Gottesdienst ein. Der Pfarrer meinte, die wirklichen Engel im Himmel würden nicht essen. „ wir sind da nicht so sicher, meinte ein Teilnehmer, „ wenn das Essen so gut ist wie hier im Kloster, dann wird sich sogar der Liebe Gott nicht zurückhalten können.“ Nach dem Mittagessen, das im Kloster der Augustinerinnen 5 Sterne-mässig ist, feierten alle zusammen die Hl. Messe. Musizierend, singend und tanzend, betend und schweigend bedankte sich Gross und klein bei Gott für die Gnade dieser Tage.

Vor dem Abschied versammelten sich alle Engel nochmals im Kreis. Am ersten Morgen hatten sie einen Namen eines Teilnehmers gezogen und versucht, in diesen 2 Tagen ganz heimlich diesem Menschen mit besonderer Achtsamkeit zu begegnen, ihm eben Engel zu sein. Es entstand eine bewegende Auflösungsrunde und mit dem Bewusstsein, zur grossen Pfarreifamilie zu gehören, Engel füreinander zu sein, fuhren alle beschwingt nach Pontresina zurück. Suor Maurizia, die Oberin meinte:“in meinem Haus habe ich schon viele Gruppen beherbergt. Da gab es Programme für Erwachsene, extra Programme für Jugendliche und Hütedienst für die Kleinen. Ihr aber habt einfach alle alles zusammen gemacht, in Gemeinschaft. Eine echte Familie Gottes“. Und Stefan, 19 Jahre:“ Der Zusammenhalt und die Freude untereinander waren fänomenal, trotz verschiedener Sprachen, Generationen und Kulturen. Es war eine prima Erfahrung von Kirche“. Und eine himmlische Form von Integration!